Junioren-Weltmeisterschaften in Grosseto/Italien
2004
Um es vorweg zu nehmen: An Einzelheiten meines Wettkampfs kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Ich war völlig fixiert und konzentriert auf die entscheidenden Sprünge, dass ich rundherum nichts mehr mitbekommen habe. In den Tagen vor dem Wettkampf hatte ich einiges mit meinen Eltern unternommen. Mein Vater und meine Mutter fuhren mit dem Auto und den Stäben auf dem Dach nach Grosetto und verbrachten für einige Tage einen schönen Urlaub in einem privat gemieteten Apartment.
Wir entspannten uns zusammen am Strand und gingen auf Shopping-Tour. Ich muss übrigens in jeder Stadt den örtlichen Shoppingcenter erkunden. Die Boutiquen und Klamottenläden ziehen mich magisch an. Muss ich von meiner Schwester geerbt haben... Die letzte Nacht vor dem Wettkampf verbrachte ich im Apartment meiner Eltern. Zum Glück, denn kurzerhand wurde vor dem offiziellen Sportlerhotel eine Nachtbaustelle eingerichtet, die manch einen den gesamten Schlaf kostete.
Einen Tag später, gegen 18.00 Uhr abends, war ich dann völlig überraschend mit neuer persönlicher Bestleistung von 4,30 Meter Junioren-Weltmeisterin. Ich wurde fast von meinen Gefühlen überwältigt und konnte das ganze auch Tage später noch nicht richtig fassen. Meine Teamkameradin Anna Schultze wurde mit übersprungenen 4,25 m Zweite und somit feierten wir einen grandiosen deutschen Doppelsieg.

Erinnern kann ich mich noch an zwei Dinge: Die Herren von der Dopingkontrolle mussten geschlagene zwei Stunden auf meine bescheidene Probe warten (mehr und schneller ging nicht...). Daher fing die Siegerehrung zwei Stunden später als geplant an. Und später, beim Abspielen der Nationalhymne drehten wir uns zu den Flaggen und ich sah mich auf der riesigen Videoleinwand, natürlich spiegelverkehrt. Ich drehte mich ein wenig nach links, dann ein wenig nach rechts, die blöde Leinwand zeigte genau das Gegenteil - und ich musste immer mehr anfangen zu kichern... Zum Glück war die Prozedur nach wenigen Minuten beendet.


Zwei Tage nach dem Wettkampf trafen mein Vater und ich den größten Stabhochspringer aller Zeiten, Sergej Bubka, zusammen mit seinem langjährigen Trainer. Ich lief irgendwie noch in Trance über die Anlage, aber dieses ist auf jeden Fall eines meiner Lieblingsfotos aus Grosseto. Am letzten Tag in Grosseto stieg dann noch einmal eine riesige Party mit allen Teams - noch ein Tag voller Highlights.

Am nächsten Tag landeten wir in Frankfurt. Dort versammelten sich jede Menge Leute, Freunde und Familienangehörige, um das gesamte Team zu empfangen. Ich bekam Blumensträuße und jede Menge Glückwünsche - aber von meinen Eltern, die schon 2 Tage früher mit dem Auto nach Hause gefahren waren, keine Spur. Mein Vater rief dann an, er hätte keine Zeit um mich abzuholen. Ich soll alleine mit dem Zug nach Hause reisen. Na toll! Auch am Bahnhof Homburg - keiner da! Ich fuhr nach Zweibrücken - keiner zu Hause; ich rief meine Freundin an - hat auch keine Zeit. Plötzlich fühlte ich mich so alleine und dachte nur: "Keiner interessiert sich für mich! HEUL!!" Dann lotste mich meine Freundin zu sich nach Hause, wo alle meine Freunde eine wunderbare Überraschungsparty für mich organisiert hatten. Und so wurden diese Weltmeisterschaften vom Anfang bis zum Ende ein unvergessliches Erlebnis!
|